Vorspiel: Die Seldschuken, Nizam al-Mulk und die Festung Alamut
Bevor der Sturm aus dem Osten aufzog, atmete Iran unter dem Schatten der seldschukischen Türken: eines Nomadenvolkes, das im fünften Jahrhundert der Hidschra aus Zentralasien hereinströmte und ein weites Reich errichtete, das sich von den Grenzen Chinas bis zum Mittelmeer erstreckte. Die Seele dieser Herrschaft schlug nicht im Schwert des Sultans, sondern in der Feder eines persischen Wesirs: Chwadscha Nizam al-Mulk aus Tus. In seinem «Siyasatnama» (Buch der Staatskunst) verschmolz er das uralte iranische Ideal gerechter Herrschaft mit dem islamischen Recht und gründete ein Netz von Hochschulen—die Nizamiyya—in Bagdad, Nischapur und anderen Städten.
In ebenderselben Zeit erhob sich im Herzen des Alborz-Gebirges eine andere Bewegung: die nizaritischen Ismailiten unter Führung Hasan-i Sabbahs, der im Jahre 483 der Hidschra die Festung Alamut einnahm. Sie strebten nicht danach, sich mit den Seldschuken auf dem offenen Schlachtfeld zu messen; ihre Waffe war der gezielte Mord an Großen—eine Methode, die den Namen «Assassinen» in den europäischen Sprachen hinterließ, obgleich Ursprung und Richtigkeit dieser Bezeichnung selbst umstritten sind. Die berühmte Überlieferung besagt, dass Nizam al-Mulk selbst im Jahre 485 der Hidschra der Klinge eines der Getreuen von Alamut zum Opfer fiel.
Der Sturm aus dem Osten: Dschingis Khan und die Verwüstung Chorasans zu Asche
Zu Beginn des siebten Jahrhunderts der Hidschra herrschte der mächtige Herrscher des choresmischen Reiches, Sultan Muhammad, über einen großen Teil Irans. Doch jenseits der Grenzen, in den Steppen der Mongolei, hatte ein Mann die zersprengten Stämme unter einem einzigen Banner versammelt: Temudschin, nun Dschingis Khan genannt. Was das Feuer entzündete, war ein Handelsvorfall; eine Karawane von Kaufleuten, die den Mongolen verbunden waren, wurde in der Grenzstadt Otrar auf Befehl des choresmischen Statthalters der Spionage bezichtigt und getötet. Dschingis sandte einen Gesandten und forderte Gerechtigkeit; die Antwort des Choresmschahs war die Tötung des Gesandten—ein Funke, der zum Brand einer Zivilisation führte.
Um das Jahr 616 der Hidschra (1219 n. Chr.) überschritt das mongolische Heer den Oxus. Die Städte fielen eine nach der anderen: Buchara, Samarkand und dann das Herz der ostiranischen Zivilisation, Chorasan. Nischapur, Merw und Herat—jenes glänzende Dreigestirn von Wissen und Wohlstand—wurden in Trümmer gelegt. Das verwickelte System der Kanat-Bewässerung brach an vielen Orten zusammen und schlug diesem Land eine Wunde, deren Heilung Generationen währte.
Über die Zahl der Erschlagenen: Eine gebotene Warnung
Die mittelalterlichen Chronisten haben hinsichtlich des mongolischen Gemetzels Zahlen hinterlassen, die den Verstand erschauern lassen; sie sagten, in Nischapur oder Merw seien Hunderttausende, mitunter mehr als eine Million Menschen getötet worden. Doch die heutigen Forscher betrachten diese Zahlen mit großer Vorsicht. Die Bevölkerung jener Städte erreichte in jener Zeit nicht solche Zahlen, die diese Massaker zahlenmäßig möglich machen würden; und die alte Tradition der Geschichtsschreibung war mehr darauf bedacht, die Größe der Katastrophe und ihre Mahnung zu vermitteln, als auf eine genaue Zählung.
Daher ist es zutreffender zu sagen, dass die Verwüstung tief und wirklich war—Städte brannten, Felder lagen brach, und eine Welle von Vertreibung und Hungersnot erhob sich—doch die genaue Zahl der Erschlagenen ist unbekannt und höchstwahrscheinlich übertrieben. Diese Unterscheidung wird nicht gezogen, um das Gewicht des Unglücks zu mindern, sondern aus Treue zur belegten Wahrheit.
Hülegü: Der Fall Alamuts und das Ende des Kalifats von Bagdad
Zwei Generationen nach Dschingis wurde sein Enkel Hülegü Khan damit beauftragt, das unvollendete Werk seines Großvaters im Westen zu vollenden. Das erste Ziel waren ebenjene unzugänglichen ismailitischen Festungen. Im Jahre 654 der Hidschra (1256 n. Chr.) ergab sich Alamut—eine Burg, die nahezu anderthalb Jahrhunderte uneinnehmbar geblieben war—, und seine berühmte Bibliothek wurde größtenteils zerstört; gleichwohl wird gesagt, dass Chwadscha Nasir ad-Din at-Tusi einen Teil des wissenschaftlichen Erbes zu retten vermochte.
Dann kam Bagdad an die Reihe, der Sitz des abbasidischen Kalifats. Im Jahre 656 der Hidschra (1258 n. Chr.) wurde die Stadt belagert und fiel schließlich. Der letzte abbasidische Kalif, al-Mustasim, wurde getötet, und mit ihm verging eine Institution, die mehr als fünfhundert Jahre lang—zumindest dem Namen nach—als geistliches Zentrum der Sunniten gegolten hatte. Dieses Ereignis hinterließ eine tiefe Wunde im historischen Gedächtnis der Muslime.
Eine widersprüchliche Blüte: Das Ilchanat und das Observatorium von Maragha
Erstaunlicherweise erhob sich aus dem Herzen ebendieser Verwüstung ein Staat, der schließlich die Farbe Irans annahm: das Ilchanat. Die heidnischen und buddhistischen Eroberer gingen, Generation um Generation, in der Kultur und Religion des unterworfenen Landes auf. Der Wendepunkt kam im Jahre 694 der Hidschra, als Ghazan Khan zum Islam übertrat und umfassende Reformen in Verwaltung, Steuerwesen und Münzprägung durchführte, um die zerstörte Wirtschaft wiederaufzubauen. Die eindringenden Mongolen wurden in einer seltenen geschichtlichen Wendung zu Schirmherren der iranischen Zivilisation.
In ebendieser Zeit gründete Chwadscha Nasir ad-Din at-Tusi in Maragha ein Observatorium, das zu einem der bedeutendsten astronomischen Zentren der Welt wurde und den «Ilchanischen Zidsch» (astronomische Tafeln) hervorbrachte. Der gelehrte Wesir Raschid ad-Din Fadlullah Hamadani schrieb das «Dschami at-Tawarich»—ein Werk, das man die erste wahre «Weltgeschichte» genannt hat. Die neugegründete Stadt Soltaniyeh mit ihrer gewaltigen Kuppel wurde zum Zeugnis dafür, dass der iranische Phönix selbst aus der Asche seine Schwingen entfaltet.
Timur: Türme aus Schädeln und ein goldenes Zeitalter der Kunst
Nach dem Zusammenbruch des Ilchanats versank Iran in einer Vielzahl von Kleinfürstentümern, bis ein weiterer Eroberer aus Zentralasien hervortrat: Timur der Gurkani, den die Europäer Tamerlan nannten. Am Ende des achten Jahrhunderts der Hidschra begann er verheerende Feldzüge, die von Indien bis nach Anatolien und Syrien reichten. Die Überlieferungen sprechen von Minaretten, die aus den Köpfen der Erschlagenen in Städten wie Isfahan errichtet wurden; ein Bild, das seinen Namen mit Schrecken und Blutvergießen verbunden hat.
Doch ebendieser Mann verwandelte seine eigene Hauptstadt Samarkand in ein Schmuckkästchen der Architektur und errichtete Paläste und Moscheen, mit türkisfarbenen Fayencen gekachelt. Dieser Widerspruch—Zerstörung in der einen Stadt und Aufbau in einer anderen—ist der Kern des Rätsels Timur. Sein Bild bei den Historikern bleibt umstritten: War er vor allem ein grausamer Eroberer oder ein großer Schirmherr der Kunst und Zivilisation? Vielleicht liegt die Wahrheit darin, dass er beides war.
Herat, Dschami und Hafis von Schiras: Der Phönix erhebt sich
Das Erbe Timurs führten seine Nachfolger—die Timuriden—zu einem künstlerischen Gipfel, den kaum jemand aus all dem Blutvergießen erwartet hätte. Herat wurde im Zeitalter Schahruchs und Gawhar Schads und sodann Sultan Husain Baiqaras zum schlagenden Herzen der iranischen Kultur. Die Malerschule von Herat, mit Künstlern, welche die Kunst der Miniatur zur Höhe der Verfeinerung brachten, war die Schöpferin von Meisterwerken, die noch heute das Auge blenden. In ebendiesem Kreis lebte Abd ar-Rahman Dschami, den man als den letzten großen Gipfel der klassischen persischen Dichtung angesehen hat.
Und auf einer anderen Seite dieses von Wirren heimgesuchten Landes war Schiras durch die Klugheit seiner örtlichen Herrscher größtenteils vor unmittelbarer Verwüstung verschont geblieben. In ebendieser Stadt, in der Mitte des achten Jahrhunderts der Hidschra, dichtete Chwadscha Schams ad-Din Muhammad, Hafis von Schiras, Ghaselen, die die persische Sprache unsterblich machten. Seine Dichtung, eine Mischung aus Leidenschaft, verschmitzter Schalkheit und Weisheit, wurde in einem Zeitalter der Instabilität und Gewalt geboren—als ob die Seele Irans in ihren dunkelsten Nächten ihre hellsten Sterne erschaffen hätte. Dies ist das Leitmotiv dieses Kapitels: Verwüstung und eine unglaubliche Wiedergeburt; ein Phönix, der sich jedes Mal aus seiner eigenen Asche erhebt.
⚖ Umstrittene Punkte
- Die Zahl der Erschlagenen beim Mongoleneinfall in die Städte Chorasans: Die Zahlen der mittelalterlichen Chronisten—Hunderttausende bis mehr als eine Million—sind nach Ansicht der heutigen Forscher stark übertrieben und nicht bestätigbar, da sie nicht mit den demografischen Schätzungen jener Zeit übereinstimmen; die Verwüstung war wirklich und tief, doch die Zahlen sind ungenau.
- Das historische Bild Timurs: Die Historiker sind uneins darüber, ob man ihn vor allem als zerstörerischen Eroberer oder als großen Schirmherrn der Kunst ansehen sollte; beide Seiten sind belegt, und die Betonung einer allein ergibt ein unvollständiges Bild.
Quellen
- Encyclopaedia Iranica — «Mongols», «Hülegü Khan», «Ḡāzān Khan», «Rašid-al-Din», «Ḥāfeẓ», «Jāmi», «Timur», «Naṣir-al-Din Ṭusi»
- Encyclopædia Britannica — «Genghis Khan», «Il-Khanid dynasty», «Timur», «Timurid dynasty»
- نظامالملک، «سیاستنامه»
- رشیدالدین فضلالله همدانی، «جامعالتواریخ»
- David Morgan, The Mongols
- Beatrice Forbes Manz, The Rise and Rule of Tamerlane
