Iran erhebt sich erneut: Die Parther
Nach dem Tod Alexanders und dem Zusammenbruch seines Reiches fiel das iranische Hochland einem seiner Feldherren, Seleukos, und seinen griechischstämmigen Nachfolgern zu. Die Seleukiden errichteten Städte nach griechischem Vorbild und pflanzten die hellenistische Kultur in Teile des Ostens, doch ihre Herrschaft über die fernen östlichen Länder war nie tief oder von Dauer. In der Mitte des dritten Jahrhunderts v. Chr. tat sich in der Region Parthien ein Riss auf, aus dem eine neue Dynastie hervorging.
Der überlieferten Darstellung zufolge stürmte der Anführer eines Nomadenstammes namens Parner — ein Zweig der Saken-Konföderation — unter der Führung Arschaks (Arsakes) in die Satrapie Parthien und entriss sie der Hand des seleukidischen Statthalters; ein Ereignis, das gewöhnlich auf etwa 247 v. Chr. datiert wird. Der Name 'Arschak' wurde so sinnbildlich für Legitimität, dass alle späteren Könige dieser Dynastie ihn als königlichen Titel auf ihre Münzen prägten; aus diesem Grund hat man dieses Haus die 'Arsakiden' genannt.
Die Arsakiden waren anfangs eine lokale Macht, doch im Laufe zweier Jahrhunderte rückten sie, die Schwäche der Seleukiden nutzend, Grenze um Grenze vor. Mithridates I. dehnte das Reich bis nach Mesopotamien aus und gewann Babylon und Medien; die Arsakiden wandelten sich damit von einem Grenzkleinkönig zu den Erben der achämenidischen Länder und betrachteten sich als Hüter des Erbes Irans, obgleich ihre unmittelbare historische Verbindung zu den Achämeniden eher ein politischer Anspruch war.
Rom besiegt bei Carrhae
Im ersten Jahrhundert v. Chr. standen sich zwei Supermächte der alten Welt gegenüber: die Römische Republik und das arsakidische Großreich. Der sinnbildliche Zusammenstoß der beiden ereignete sich 53 v. Chr. auf der Ebene von Carrhae (nahe Harran), wo Crassus — einer aus dem herrschenden Triumvirat Roms und der reichste Mann seiner Zeit — mit einem großen Heer von Legionen in der Hoffnung auf Beute nach Iran zog.
Das arsakidische Heer, befehligt von einem Feldherrn aus dem großen Hause Suren, war zahlenmäßig klein, verfügte jedoch über eine andersartige Kampfweise: leichte berittene Bogenschützen, die Roms dichte Legionen mit Pfeilsalven aus der Ferne zermürbten, und schwer gepanzerte Reiter (Kataphrakte), die im richtigen Augenblick angriffen. Das Manöver der vorgetäuschten Flucht und das Abschießen der Pfeile während des Rückzugs — das im Westen als 'parthischer Schuss' berühmt wurde — zerbrach die Reihen der Römer. Crassus verlor seinen Sohn und dann sein eigenes Leben auf jener Ebene.
Carrhae war eine der schwersten militärischen Niederlagen in der Geschichte Roms und fixierte die Ostgrenze Roms für Generationen auf der Linie des Euphrat. Von da an blieben Rom — und später sein östlicher Erbe Byzanz — neben Iran die beiden rivalisierenden Säulen der alten Welt; eine Rivalität, die nahezu sieben Jahrhunderte andauerte.
Ein Königtum der Könige: Die dezentrale arsakidische Struktur
Das arsakidische Großreich war weniger ein einheitlicher Staat als ein Bund von Mächten. Der arsakidische König wurde 'König der Könige' genannt, doch unter ihm hielten die großen begüterten Häuser — wie Suren und Karen — und die lokalen Vasallenkönige jeweils Heere, Gebiet und beträchtliche Eigenständigkeit. Forscher haben diese Struktur oft als 'feudal' beschrieben, wenngleich die Anwendung dieses europäischen Begriffs auf das alte Iran selbst umstritten ist.
Diese Dezentralisierung war zugleich Stärke und Schwäche: Sie verschaffte Beweglichkeit und die Fähigkeit, Elitereiter aufzubieten, machte das Reich jedoch anfällig für Bürgerkriege und die Rivalität der Thronanwärter. Die Arsakiden nahmen die hellenistische Kultur anfangs in gewissem Maße an; allmählich aber erstarkte die iranische Neigung: Die parthische Sprache und Schrift verbreiteten sich, und es bildeten sich Erzählungen und Epen heraus, die später Teil der Erinnerung an die 'Helden' wurden. Die eigenen schriftlichen Quellen der Arsakiden sind spärlich, und der größte Teil unseres Wissens stammt von griechischen und römischen Schriftstellern, von Münzen und der Archäologie.
Ardaschir und der Aufstieg der Sasaniden
Im dritten Jahrhundert n. Chr. stieg in eben jenem Land Pars, das die Geburtsstätte der Achämeniden gewesen war, ein lokales Haus zur Macht auf, das seinen Namen von seinem Ahnen Sasan nahm. Ardaschir I., Sohn des Babak, setzte sich zunächst über Fars durch und erhob sich dann gegen den arsakidischen König der Könige, Artabanus IV. Der schicksalhafte Zusammenstoß der beiden fand im Jahr 224 n. Chr. auf der Ebene von Hormozgan statt; Artabanus wurde getötet, und mit ihm brach die alte arsakidische Dynastie zusammen.
Ardaschir setzte sich in Ktesiphon die Krone aufs Haupt und nannte sich 'König der Könige Irans' — ein Titel, der bewusst das Erbe des alten Großreichs heraufbeschwor. Er und seine Nachfolger suchten einen Staat zu errichten, der sich gänzlich vom zersplitterten arsakidischen Vorbild unterschied: eine stärker zentralisierte Regierung mit einer Bürokratie, einem organisierten Heer und einer engen Verbindung zur zoroastrischen Religion. In der offiziellen sasanidischen Darstellung waren 'Religion und Königtum' Zwillingsschwestern, die nur miteinander Bestand haben konnten.
Gleichwohl ist auch der tatsächliche Grad der Zentralisierung des sasanidischen Staates Gegenstand der Debatte; die großen Häuser besaßen weiterhin gewaltige Macht, und das Ideal der königlichen Zentralisierung war bisweilen eher ein offizieller Anspruch als eine einheitliche Wirklichkeit. Wie dem auch sei, die Sasaniden schufen einen Staat, der vier Jahrhunderte überdauerte und zum letzten großen Reich des vorislamischen Iran wurde.
Schapur und der gekrönte Gefangene
Der Höhepunkt des sasanidischen Sieges über Rom ereignete sich zur Zeit Schapurs I., des Sohnes Ardaschirs. Schapur errang in aufeinanderfolgenden Kriegen mit Rom große Siege, und im Jahr 260 n. Chr. tat er etwas in der ganzen Geschichte Roms Beispielloses: Er nahm den römischen Kaiser Valerian in der Schlacht — den Quellen zufolge nahe Edessa — lebend gefangen.
Schapur verewigte diesen Sieg im Stein. In Naqsch-e Rostam, inmitten eben jener Felsen, die die Gräber der achämenidischen Könige bergen, wurde ein Relief gehauen, das Schapur zu Pferde zeigt, während der besiegte Kaiser vor ihm kniet. Dieses Basrelief stellte den Sieg Irans bewusst neben die alten Denkmäler der Achämeniden, um die Verbindung der Sasaniden zum Glanz der Vergangenheit zu verkünden.
Schapur hinterließ überdies eine lange Inschrift an dem als 'Kaaba des Zoroaster' bekannten Bauwerk — ein Dokument in drei Sprachen —, in der er sich König der Könige von 'Iran und Nicht-Iran' nennt. Diese Inschrift ist eine der wertvollsten Quellen aus erster Hand zur sasanidischen Geschichte.
Iranschahr: Name und Idee eines Landes
Eine der bleibenden Leistungen der Sasaniden reichte über ihre Grenzen hinaus: Sie erhoben den Begriff 'Iranschahr' zum ausdrücklichen politischen Namen ihres Reiches. In der sasanidischen Tradition war Iran nicht mehr bloß eine geografische Weite, sondern eine politische, religiöse und ideelle Einheit — das Land des Königs der Könige Irans und der wahre Sitz der Guten Religion.
Diese Idee verflocht sich mit Mythos und Geschichte: Die Könige betrachteten sich als Erben der idealen Vorväter Irans und schufen eine fortlaufende Erzählung vom Königtum Irans, die später, in den islamischen Jahrhunderten, im Schāhnāme widerhallte. Der Begriff 'Iranschahr' verlieh den Iranern ein Gefühl beständiger politischer Identität, das selbst den Zusammenbruch des sasanidischen Staates überdauerte. So wurde der Name 'Iran', der seine Wurzel im alten Wort 'Arya' hatte, im sasanidischen Zeitalter als offizieller Name eines Staates und einer Zivilisation festgeschrieben.
Religion: Das Feuer der Magier, Mani und Mazdak
Die Sasaniden machten die zoroastrische Religion zur offiziellen Staatskirche. Im ganzen Reich standen Feuertempel, und die mächtige Klasse der Magier verwaltete die religiöse Institution; Gestalten wie der große Mobad Kartir gewannen im dritten Jahrhundert weitreichenden Einfluss. Doch das sasanidische Iran wurde auch zur Bühne einflussreicher religiöser Bewegungen. Im dritten Jahrhundert brachte Mani eine neue Prophetie hervor, deren Lehre eine Mischung aus zoroastrischen, christlichen und gnostischen Elementen war; zunächst genoss er die Unterstützung des Hofes, doch am Ende kam er, im Widerstand der Magier, im Kerker ums Leben, während sich seine Lehre von China bis Europa ausbreitete.
Zu Beginn des sechsten Jahrhunderts erhob sich die Bewegung Mazdaks — eine Lehre mit radikalen sozialen Idealen, die, späteren Quellen zufolge, größere Gleichheit anstrebte. Eine Zeit lang fand diese Bewegung die Aufmerksamkeit des Königs Kavad, doch am Ende wurde sie hart unterdrückt. Es ist zu beachten, dass unser Wissen über Mazdaks Lehren überwiegend aus dem Munde seiner Gegner überliefert ist und sein wahres Bild unklar bleibt.
Chosrau Anuschirwan und der hohe Bogen
Der sasanidische Glanz erreichte seinen Höhepunkt zur Zeit Chosraus I., mit dem Beinamen Anuschirwan und in der iranischen Tradition 'der Gerechte'. Nach der Unterdrückung der Bewegung Mazdaks führte er eine Reihe von Reformen durch: den Neuaufbau des Steuersystems auf der Grundlage der Landvermessung, eine erneute Ordnung des Heeres unter Stützung auf die Klasse der Dehqane, um die Abhängigkeit des Königs vom großen Adel zu mindern, und die Stärkung der Bürokratie. In ebendieser Zeit wurde die Stadt Gundischapur zu einem Zentrum für Medizin und Wissenschaft, einem Ort, an dem griechische, syrische, iranische und indische Traditionen zusammentrafen.
Die Hauptstadt der Sasaniden, Ktesiphon am Ufer des Tigris, war eine der größten Städte der damaligen Welt. Ihr bleibendes Sinnbild ist das gewaltige Ziegelgewölbe, bekannt als 'Taq-e Kasra'; der höchste freitragende Ziegelbogen der antiken Welt, von dem ein Teil noch heute erhalten ist. Die sasanidische Kunst — von den Basreliefs bis zu den goldgewirkten Stoffen und silbernen Gefäßen — wurde zu einem Vorbild, dessen Einfluss von Byzanz bis China und sodann auf die frühe islamische Kunst zu erkennen ist. Dennoch sind sich die Historiker nicht einig, wie viel von diesen Reformen wirklich Chosrau zukam.
Der große Krieg und die arabische Eroberung
Zu Beginn des siebten Jahrhunderts erreichte die alte Rivalität Irans und Byzanz' ihren verheerenden Höhepunkt. Chosrau II. Parviz errang verblüffende Siege — sasanidische Heere nahmen Syrien, Palästina und Ägypten und eroberten Jerusalem —, doch der byzantinische Kaiser Heraklios wendete mit einem kühnen Feldzug ins Herz des sasanidischen Reiches das Blatt. Dieser zwanzigjährige Krieg zermürbte beide Reiche schwer: Die Schatzkammern wurden geleert und das Volk wurde müde. Chosrau II. wurde schließlich von seinen Vertrauten abgesetzt und getötet, und der Hof versank in den Wirren der Thronfolge.
Eben in jenem Augenblick erhob sich im Süden, auf der Arabischen Halbinsel, eine neue und geeinte Kraft, getrieben von der neu aufgekommenen Religion des Islam. In der schicksalhaften Schlacht von Qadisiyya — etwa 636 bis 638 n. Chr. — wurde das große sasanidische Heer geschlagen, und Ktesiphon fiel. Der letzte Widerstand zerbrach in der Schlacht von Nahavand. Der letzte König der Könige, Yazdegerd III., floh aus der Hauptstadt und zog sich über Jahre nach Chorasan zurück, um eine Streitmacht zur Rückgewinnung der Krone aufzustellen.
Yazdegerd wurde schließlich im Jahr 651 n. Chr. nahe Merw getötet — der bekannten Überlieferung zufolge durch die Hand eines Müllers, auf der Flucht und allein. Mit seinem Tod gingen die sasanidische Dynastie und das letzte iranische Reich vor dem Islam zu Ende. Doch der Zusammenbruch des Staates bedeutete nicht die Auslöschung Irans; die Sprache, das geschichtliche Gedächtnis, die Kunst und der Begriff 'Iranschahr' blieben bestehen und nahmen in einer neuen Zivilisation — diesmal in Verbindung mit dem Islam — von Neuem Gestalt an. Die Welt stand an der Schwelle einer großen Wandlung.
⚖ Umstrittene Punkte
- Das genaue Datum der Errichtung des 'Taq-e Kasra' in Ktesiphon ist nicht gesichert; einige schreiben es Chosrau I. (sechstes Jahrhundert) zu, andere früheren Epochen.
- Der tatsächliche Grad der Zentralisierung des sasanidischen Staates und die Zuschreibung der fiskalischen und militärischen Reformen an Chosrau I. sind Gegenstand der Debatte; eine Reihe von Historikern führt einen Teil dieser Wandlungen auf die Regierungszeit seines Vaters Kavad zurück. Ebenso stammt unser Wissen über Mazdaks Lehren überwiegend aus dem Munde seiner Gegner und ist ungewiss.
Quellen
- Encyclopædia Iranica — «Arsacids», «Sasanian Dynasty», «Ardašir I», «Šāpur I», «Ḵosrow I», «Ērānšahr», «Gondēšāpur», «Mani», «Mazdak»
- Encyclopædia Britannica — «Parthia», «Sasanian dynasty», «Battle of Carrhae», «Khosrow I», «Ctesiphon», «Yazdegerd III»
- Touraj Daryaee, Sasanian Persia: The Rise and Fall of an Empire
- کتیبهٔ شاپورِ یکم بر کعبهٔ زرتشت (نقشِرستم)
