Es war Nacht, und die Stadt brannte. Im Jahr 646 v. Chr., in Susa, der alten Hauptstadt von Elam, stieg das Feuer von den Dächern empor, und dichter Rauch verbarg die Sterne vor den Augen. Das Heer Assurbanipals, des Königs von Assyrien, war aus dem Westen gekommen; aus jenem dürren Land zwischen zwei Strömen, das jahrhundertelang mit diesem Bergkönigreich Krieg geführt hatte. Die Soldaten strömten in die Heiligtümer. Sie banden die Standbilder der Götter auf ihre Rücken und trugen sie fort. Sie brachen die Gräber der Könige Elams auf und schleppten die Gebeine in Gefangenschaft — eine Tat, die selbst in jener erbarmungslosen Zeit das Zeichen eines Zorns war, der über den bloßen Sieg hinausging.
Der assyrische König selbst ließ später diese Szene in Stein an die Wände seines Palastes in Ninive meißeln und schrieb in seinen Inschriften, er habe Susa in Trümmer gelegt und Salz auf seinen Boden gestreut, damit dort nichts mehr wachse. Dies ist der Bericht des Eroberers; der Bericht eines Mannes, der nicht nur eine Stadt, sondern das Gedächtnis einer Zivilisation auslöschen wollte. Doch der Boden des Hochlands besaß ein Gedächtnis, das hartnäckiger war als Salz. Weniger als ein Jahrhundert nach jener Nacht sank Assyrien selbst in Asche, und aus eben jenem verbrannten Hochland erhob sich ein Volk, das eine neue Welt erbaute.
Dieses Buch ist die Geschichte jenes Bodens.
Eine wahre Geschichte Irans — weder eine wohlgefällige Legende zum Trost des Herzens noch eine Anklageschrift, um diese oder jene Seite zu verurteilen. Eine Geschichte, die danach strebt, die Dinge so zu erzählen, wie sie waren: glanzvoll dort, wo Glanz war, bitter dort, wo Bitterkeit herrschte, und ungewiss dort, wo die Quelle schweigt. Dies ist das Sinnbild dieses Buches: «Wahrheit, mit Beleg — gegen das Vergessen.» So ruht alles, was Sie lesen, soweit möglich, auf einem Zeugnis: auf einer Tontafel, einer Darstellung in Stein, auf Keramik und Knochen und Inschrift, und auf dem, was die Forscher von heute aus diesen Spuren herausgelesen haben.
Doch die Geschichte, zumal die alte Geschichte, ist nicht das Land fester Gewissheiten. Vieles von dem, was wir über die Vergangenheit wissen, ist eine vorsichtige Schätzung anhand verstreuter und bisweilen widersprüchlicher Zeugnisse. Daher ziehen wir in diesem Buch eine klare Linie zwischen zweierlei: zwischen dem, was durch Belege gestützt ist, und dem, was Legende oder Vermutung ist. Überall dort, wo unser Wissen schwankend ist oder die Forscher über etwas uneinig sind, werden wir es offen kenntlich machen — nicht aus dem Wunsch, Zweifel zu säen, sondern aus Redlichkeit. Diese Aufrichtigkeit ist selbst ein Teil der Geschichte; vielleicht ihr schönster Teil.
Warum «gegen das Vergessen»? Weil das Vergessen stets auf der Lauer liegt. Bisweilen kommt es mit Feuer und Salz, so wie es nach Susa kam. Bisweilen mit dem Umschreiben der Geschichte zum Vorteil der Mächtigen. Und bisweilen, gefährlicher als alles andere, mit Gleichgültigkeit; damit, dass eine Generation nach der anderen die Namen und Leiden und Errungenschaften der Vorfahren ungelesen lässt. Dokumentierte Geschichte zu schreiben ist ein Bemühen darum, dass das Geschehene nicht noch einmal, und diesmal für immer, verloren geht.
Auf den folgenden Seiten liegt eine lange Reise vor uns. Wir beginnen beim Anbruch des Hochlands; in einer Zeit, da die ersten Städte des südwestlichen Iran emporwuchsen und die Elamer am Rande Mesopotamiens eine Zivilisation errichteten, die Jahrtausende überdauerte. Von dort gelangen wir zur Wanderung der iranischsprachigen Völker, zum Aufstieg der Meder und von Hegmataneh, zu Kyros und jenem erstaunlichen Reich, das zum ersten Mal die bekannte Welt unter einem Himmel vereinte. Dann ziehen wir vorbei an den Griechen und Alexander, an den Parthern und Sasaniden, am Kommen des Islam und jener tiefgreifenden Umwälzung, an der Pracht und Verheerung der Mongolen, an den Safawiden und Kadscharen und der Konstitutionellen Revolution, bis hin zu unserer eigenen stürmischen Zeit.
Dies ist nicht die Geschichte einer Nation in ihrem einfachen Sinne; es ist die Geschichte eines Landes, das viele Völker und Sprachen und Religionen in sich aufgenommen und aus dieser Mischung etwas geschaffen hat, das wir «Iran» nennen. Es ist eine Geschichte von Kontinuität und Bruch, von vernichtenden Niederlagen und unglaublichen Wiederauferstehungen. Wir erzählen sie ungeschminkt; mit Liebe zum Land, doch ohne Schmeichelei gegenüber der Macht.
Nun lasst uns zum Anfang zurückkehren. Zu einem Hochland, das noch keinen König kannte und keine Schrift schrieb. Zu einem Anbruch, aus dessen Herzen alles hervorging.
⚖ Umstrittene Punkte
- Die Schilderung in den Inschriften Assurbanipals von der vollständigen Zerstörung Susas und dem Ausstreuen von Salz darauf ist die rituelle und übertriebene Sprache der assyrischen Königspropaganda; archäologische Zeugnisse zeigen, dass Susa nicht völlig ausgelöscht wurde und in späteren Zeiten wieder besiedelt war, weshalb das tatsächliche Ausmaß der Zerstörung mit Vorsicht zu lesen ist.
Quellen
- Encyclopaedia Iranica, "Susa" / "Elam"
- Encyclopaedia Iranica, "Aššurbanipal"
- Encyclopædia Britannica, "Ashurbanipal" / "Elam"
- D. T. Potts, The Archaeology of Elam (Cambridge University Press)
